Grammatikalisch richtig?

Es geht mal wieder um ein Plakat – über dieses sehr klassische Medium berichte ich eigentlich viel zu selten, denn man kann bei Plakaten immer wieder nette Gegebenheiten entdecken. So zum Beispiel bei einer aktuellen Kampagne des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der Claim lautet so:

Krabbeln lerne ich bei Mama.
Laufen dann bei Papa.

Die Bild am Sonntag hat in einem Interview mit der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen schon befürchtet, dass man den Eltern die Entscheidung wegnehmen will, wer für die Erziehung des Kindes zuständig ist. Frau von der Leyen dementiert dies natürlich mit den Worten, dass deutlich gemacht werden soll, dass sowohl Mutter als auch Vater bei der Erziehung des Kindes teilhaben sollen.

Mir fällt in diesem Zusammenhang aber noch etwas anderes auf, was man falsch verstehen kann: Das Attribut „bei“. Meiner Meinung nach beinhaltet dieses Attribut eine lokale Bindung. Das Wörtchen „dann“ bestärkt diese Annahme dann noch insofern, dass man davon ausgehen muss, dass das Kind erst bei der Mutter das Krabbeln lernt, um dann später beim Vater das Laufen zu lernen – und zwar an verschiedenen Orten. Dem Anschein nach leben die Eltern also getrennt.

Das kann ja nun wirklich nicht im Sinne dieser Kampagne sein. Vielleicht nehme ich es auch mit der Grammatik zu genau? Oder man hätte einfach statt „bei“ das Attribut „mit“ verwendet. Denn mit jemandem etwas Lernen hat für mich keinen örtlichen Bezug bzw. würde Mißverständnisse einfach ausschliessen.

4 Kommentare


  1. mein Kind soll Krabbeln und Laufen bei mam und papa lernen! das plakat klingt wie erst bin ich bei mama und dann nach der Hälfte der Zeit ist die weg und dann kommt papa! aber an sich ist die Werbung ja gut gemeint und daher sollte ich nicht zu kleinkarriert sein! schönen gruss


  2. für mich hat der claim, warum auch immer, einen negativen beigeschmack.
    hätte auch sehr gut zu einem plakat mit dem thema „gewalt in der Familie“ passen können.


  3. Dies hier schrieb ich kürzlich zu dem Plakat an Bekannte:

    Ich habe heute übrigens das Plakat des Bundesfamilienministeriums: „Krabbeln lerne ich bei Mama. Laufen dann bei Papa.“ hinterfragt.
    Siehe:
    http://www.bundesregierung.de/.....-bams.html

    Warum heisst es nicht „MIT“ oder „VON“? Drückt das nicht aus, dass Kinder weiterhin „Nebensache“ sind und „Umgangspflege“ betrieben wird?

    Ich bin sehr sprachsensibel und lehne z.B. auch das „kriegen“ (wollen) ab. Statt dessen sage ich lieber „bekommen“, denn das bedeutet bekömmlich und „haben“ heisst „in Besitz nehmen“ und brauchen. Letzteres trifft nur dann nicht zu, wenn man z.B. bei

    >> Kinder/Menschen würde ich gern haben
    Letzteres trifft nur dann nicht zu, wenn man z.B. bei „Kinder/Menschen würde ich gern haben“ das Wort „haben“ betont. Das erinnert mich an ein sehr gräusliche Frau, die Krankenschwester war und dabei immer betonte, dass sie Stationsschwester war und 15 „unter ihr“ arbeiteten. Das verknüpft sich LeiD- und Leitkultur, was aber mit Kultur nichts zu tun hat.
    Ausserdem halte ich mehr davon, wenn die Väter mit schwanger sind und die Kinder zusammen mit den Eltern krabbeln, stehen, gehen und laufen lernen. Mit der Aussage auf dem Plakat wird eine obskure Spaltung betrieben. Krabbelkinder sind dementsprechend Mamakinder und erfahren – nein – erlaufen eine Abwertung. Die Schuhe auf dem Bauch der Schwangeren drücken aus, dass der Papa/Mann und das „Laufen“ wichtiger ist. Denn krabbeln kann kind auch ohne Schuhe.
    Was denkt Ihr dazu?


  4. Die Annahme, dass die Eltern getrennt dem Kind was beibringen ist tatsächlich gewollt. Geht es doch darum, dass beide Eltern abwechseln den Erziehungsurlaub/Babyurlaub nehmen können und sollen. Eigentlich interessant, dass diese Werbung so angelegt ist, das niemand den eigentlichen Inhalt versteht. Mir ist die schwere Verständlichkeit auch schon bei anderen Werbekampagnen der Regierung aufgefallen.

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