Surfende Opels

26.06.2006

Astra TwinTopWie man gekonnt auf Kosten der Glaubwürdigkeit Werbung macht, zeigt Opel im aktuellen Spot. Man lässt den Opel Astra TwinTop auf einer monströsen Welle reiten. Das mag zwar hipp und cool sein, löst bei mir aber doch gemischte Gefühle aus: Was will mir Opel damit sagen? Ein Blick auf die Webseite verrät, dass man zeigen will, was passiert, wenn “ein Fahrzeug die Elemente herausfordert”.

Nun ja. Was bedeutet das im Umkehrschluss? Man zeigt nicht, wie der Opel Astra TwinTop in einem Crashtest abschneidet. Man zeigt nicht, welches Sicherheitszubehör serienmäßig an Bord ist. Man zeigt nicht, wie sich der Astra TwinTop auf der Straße verhält – sondern auf dem Wasser.

TwinTop FakeWie geht man nun als Kunde am besten mit so etwas um? Eigentlich sollte man gleich zum Händler fahren und eine Probefahrt vereinbaren und so feststellen, dass der Astra TwinTop nicht nur zum Surfen gut ist. Macht das jemand? Aufgrund dieses TV-Spots? Wollen wir es hoffen. Gut sieht er ja aus, der Astra und der Tigra TwinTop.

Immerhin weckt das Lied das ein oder andere Urlaubsgefühl: Rock Island Line von Lonnie Donegan.

Lieber Milchschnitte statt Blinis

25.06.2006

Man kann wirklich nur schwer verstehen, was der gute Vladimir seinem Bruder Vitali früher zu essen bereitet hat, wenn beide vom vielen Boxen Hunger hatten: “Blinis” (oder auch: Blintz, Blintze oder Blin). Im Spot klingt das mehr wie “Bleeees”. Als Deutscher kann man sich eigentlich nur wenig darunter vorstellen. Es handelt sich dabei um eine Art Pfannkuchen – natürlich aus der Ukraine, dem Heimatland der Klitschko-Brüder. » mehr

Mein Stil.

23.06.2006

Canon SelphyCanon hat jetzt auch gemerkt, dass man zum digitalen Zeitalter noch etwas Analoges braucht: Fotos auf Papier. Und Canon muss es wissen, schließlich baut man dort eine der beliebtesten digitalen Spiegelreflexkameras, die Canon EOS 350D.

Passend dazu kann man nun auch einen compact-photo-Drucker kaufen – die Serie nennt sich Selphy. Endlich sind die Bilder nicht mehr nur auf dem Computer und man kann sie überall hinkleben. Zum Beispiel auf den Kühlschrank oder an die Wand oder man ärgert, wie im aktuellen Werbespot, den Vater damit und legt es auf den Stuhl, damit der sich prompt draufsetzt und das Bild am Allerwertesten mit sich herumträgt.

Canon KuehlschrankVerantwortlicher Kreatvdirektor ist, wie beim letzten Spot, wieder David Moore. Der TV-Spot wurde bei Snoep Films aus Amsterdam produziert.

Wer auf der Suche nach dem Song ist, den muss ich leider enttäuschen: Cris Baker hat das Lied “My Way TVC” extra für diesen Werbespot komponiert, das heißt, dass man ihn nirgends bekommt. Vielleicht hat Canon aber ein Herz und legt den Druckern bald eine Single mit dem Lied bei.

Marketing-Mix. Die sieben P’s des Marketing

15.06.2006

Um auch mal etwas tiefer in die Materie Werbung einzusteigen, muss man sich auch zwangsläufig mit dem Thema Marketing ausseinandersetzen. Das, was wir im Fernsehen sehen, ist ja immer nur ein Teil-Ergebnis dessen, was in den Köpfen vieler Menschen – seien es Art-Direktoren oder Marketing-Experten – gereift ist.

Als Grundlage für jedes Unternehmen oder auch jedes strategische Geschäftsfeld, welches auf dem Markt bestehen soll, wird der so genannte Marketing-Mix angewendet. Ein Teil dieses Marketing-Mix stellt auch das erste P dar, das Produkt. Die Werbung dafür sehen wir dann im Fernsehen, im Kino oder hören sie im Radio. Auch mit Werbung in Zeitschriften, auf Plakaten und Displays und durch Menschen (Vertreter, Verkäufer) kann man penetriert werden.

Klassisch gibt es vier P’s im Marketing:

Product (Produkt), Price (Preis), Place (Distribution) und Promotion (Kommunikation)

Nachdem diese vier Bereiche aber in unserer heutigen Werbewelt nicht mehr ausreichen und keine Differenzierung vom Wettbewerber erreicht werden kann, haben Marketing-Experten die vier P’s um drei erweitert:

Produkt, Preis, Distribution, Kommunikation und neu: Personen, Prozesse und Physische Erscheinung

Marketing-MixDas passende Büchlein dazu liefert uns Hans-Dieter Zollondz: Marketing-Mix. Die sieben P’s des Marketing.
Das Werk umfasst nur 127 Seiten und ist somit der ideale Reisebegleiter. Man kann es trotz seiner Größe schon als Nachschlagewerk bezeichnen, weil es ein umfassendes Wissen um das Thema Marketing-Mix innehat. Wer noch mehr wissen möchte, erhält auch immer wieder Literaturverweise für die tiefergehende Lektüre. Mitbringen sollte man aber schon gewisse Grundlagen im Marketing, da viele Begrifflichkeiten nicht immer näher erläutert werden.

Definition: Plagiat

14.06.2006

Nach meinem Verständnis ist ein Plagiat per Definition negativ behaftet. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet es nicht viel weniger als Menschenraub oder Kinderraub (lat.: plagium).
Der Ursprung ist somit auch römischer Herkunft – der spätantike Epigrammatiker Martial soll seinen Mitstreiter als “Plagarius” betitelt haben, nachdem er ihn beschuldigte, seine geistigen Kinder geraubt zu haben.

Schon seit langem kämpfen Hochschulen mit dem Problem bei Plagiaten mittels Texten. Oft werden schriftliche Arbeiten absatzweise oder gar kapitelweise kopiert. Software soll helfen, solche Vergehen aufzuspüren. Eine Abhandlung, wie man Plagiaten mit einfacheren Mitteln auf die Schliche kommt, kann man bei Frank Schätzlein nachlesen. » mehr

Gute Gene …

10.06.2006

Nachdem der Nachwuchs im deutschen Tennis zu wünschen übrig lässt, muss man sich wohl in Übersee nach neuen Talenten umsehen. Andrew Agassi und Steffi Graf sind eigentlich das ideale Paar für so einen Profi … und so kommt, was kommen muss:

Aufgrunddressen, dass die drei wohl als Testimonials für eine amerikanische Versicherungsgesellschaft herhalten müssen, habe ich das ganze mal in die Kategorie “Werbefiguren” gepackt.

… dann hilft dir Gott.

10.06.2006

So ging er doch, der Spruch, den man sich anhören muss, wenn man auf sich alleingestellt ist:

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

So was muss sich auch der Hersteller Buitoni gedacht haben, als er der verantwortlichen Agentur* das OK für den TV-Spot gegeben hatte. Hätte er doch mal etwas mehr nachgedacht, dann wär ihm aufgefallen, dass es in etwa die gleiche Story schon mal bei einem anderen Spot gab: Ein paar Mönche machen sich über die leckere “La Pizza” von Wagner her – beste italienische Küche natürlich, der Vatikan liegt schließlich im schönen Italien. Sie können sich nicht entscheiden, ob es nun Sünde ist oder nicht, wenn man dieses italienische Backwerk mit Belag und weiteren Zutaten verzehrt.

Bei Buitoni lässt man allerdings nicht Mönche entscheiden, sondern man fährt schon etwas stärkere Geschütze auf: Der roten Kutte nach zu urteilen, dürften wir uns im erlauchten Kreise von Bischöfen bewegen. Was soll’s – Hauptsache es schmeckt.

Beim nächsten Mal sollte Buitoni (oder Mama Nestlé) aber nicht ganz so dreist sein und sich selbst helfen, bevor man ins Gerede kommt.

*) Allem Anschein nach ist Publicis Frankfurt Nestlés helfende Agentur in Sachen Werbung.

Intensiver Marienkäfer-Sex

08.06.2006

Und wieder greift eine Werbeagentur auf eine der beliebtesten Formeln zurück, die es seit der Entdeckung der Werbung gibt: Sex sells.

MarienkäferIm aktuellen TV-Spot für den Peugeot 207 wird dieser Spruch aber nicht mit einem barbusigen Model oder ähnlich aufreizendem umgesetzt, sondern – wer hätte es gedacht – mit Marienkäfern. Das ist natürlich mal was anderes und passt auch hervorragend zur Jahreszeit.
Aber auch wenn die Umsetzung der Idee sehr gut gelungen ist, die Kernaussage “Mit einem französischen Kleinwagen das Leben intensiver gestalten” wurde meiner Meinung nach nicht ganz getroffen.

Wieso lässt man Marienkäfer das Auto beim Liebesspiel zum Schaukeln bringen? Mir fehlt da eindeutig die Assoziation und ich bitte um Erklärung. Vielleicht bin ich ja auch schon abgestumpft, was die Umsetzung des Begriffs “Sex sells” betrifft – es ist ja auch wirklich nichts Überraschendes mehr im heutigen Werbefernsehen.

Euro RSCG, Düsseldorf hat sich übrigens die Geschichte zum Werbespot überlegt.

Zahnpasta-Forschung

01.06.2006

Was ist eigentlich dran an der Werbung für Zahnpasta? Da will uns Dr. Best weismachen, dass ein ganzes Rudel an Wissenschaftlern nichts anderes tut als das Beste für unsere Zähne zu erforschen. Noch weniger Karies, kein Plaque, duftender Atem, keine Bakterien im Mund – man hat uns ja schon alles versprochen. Beim Einzelhändler im Regal weiß man schon gar nicht mehr, zu welcher Zahncreme man jetzt greifen soll …
Die mit drei Farben – rot, weiss und blau oder doch die weiß-grüne mit dem Minzgeschmack?

Gibt es überhaupt noch Forschung auf diesem Gebiet? Die Geschichte der Zahnpasta schreibt sich übrigens so:

[...] Die Zahncreme, wie wir sie heute kennen, wurde 1907 vom Dresdner Apotheker Ottmar Heinsius von Mayenburg erfunden. Unter dem Namen Chlorodont erlangte die Zahncreme Weltruhm. Vorher verwendeten die Menschen Zahnpulver auf Kreidebasis oder spülten mit Mundwasser. Einen Vorläufer der Zahncreme, die Zahnseife, entwickelte der Apotheker Adolf Heinrich August Bergmann aus dem sächsischen Waldheim bereits im Jahre 1852.

Ganz klar, seit 1852 hat sich einiges getan, aber heutzutage dürfte dieser medizinische Bereich doch eher brach liegen? Warum sonst klammern sich die Hersteller an solche Trends wie “bleaching”, also der Zahnaufhellung, wenn man mit der herkömmlichen Zahnpflege noch etwas verdienen könnte?

Jedenfalls frage ich mich das bei so gut wie jeder Werbung für Zahnpasta – an dieser Stelle sei auch die eigenartige Variante zur Diskussion gestellt, dass immer die Frauen der Zahnärzte für die Produkte werben:

Ich als Zahnarztfrau …

Bei diesem Satz wird mir immer wieder ein strahlendweißes Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Verletzt T-Online Patentrechte?

23.05.2006

Die aktuelle Fernsehwerbung von T-Online bzw. T-Com zeigt einen blauen Ladebalken und dazu in der Telekom-Hausschrift sinngemäß Sprüche wie

Wir haben uns lange genug gesehen.

oder

Wir hatten eine schöne Zeit. Mach’s gut.

und so weiter … Gemeint ist wohl, dass man mit einem Breitband-Internetanschluss aus dem Hause T-Online keine Ladebalken mehr sehen muss, da die Daten schnell genug übertragen werden.

Aber der Ladebalken oder auch Fortschrittbalken ist doch mittlerweile patentiert, wenn ich mich recht entsinne? Schauen wir mal, was Wikipedia dazu schreibt:

Das berühmte Fortschrittsbalken-Patent ist ein typisches Beispiel für solch ein Trivialpatent. Trivialpatente existieren in allen Bereichen des Patentwesens, nicht nur im im Bereich der Softwarepatente. Von einem Trivialpatenten geht im allgemeinen wenig Gefahr aus, da ein Patent, das offensichtlich nicht den Schutzanforderungen des Patentgesetzes entspricht, in der Praxis wenig Wirksamkeit entfalten kann.

Aha. Man darf also nach wie vor den Ladebalken verwenden – es ist ein Trivialpatent. Dann hat die Deutsche Telekom – Verzeihung – die T-Com ja nochmal Glück gehabt.